GLEICHZEITIGKEITEN – DAS VERGANGENE IM JETZT

Castorf, Cornelia Schwab und Anne Hahn zeichnen anekdotisch Erlebnisse und Arbeitsbedingungen in der Theaterszene der DDR nach. Tragikomische Episoden machen die Atmosphäre dieser Zeit sicht- und fühlbar.
Doch noch etwas anderes wird deutlich: wie abgeschnitten von authentischen historischen Erzählungen und wie geschichtsvergessen die Nachgeborenen durch die Gegenwart mäandern.
Wie unersetzlich genau diese Art des gemeinsamen Nachdenkens ist, um die Vielschichtigkeit der Vergangenheit offenzulegen und ihre Anwesenheit im Heute sichtbar zu machen.
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Citizen.KANE.Kollektiv & Centrul de Teatru Educațional REPLIKA –Theaterstück, Ausstellung und Podiumsdiskussion über Theaterzensur und Repression in der DDR und in Rumänien vor 1989 im Spiegel gegenwärtiger Entwicklungen.
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29./30.11.2024 – Performance „Weisse Elefanten” & „Nostalgia Up & Down” Kammertheater Stuttgart.

Theaterlegende Frank Castorf kommt auf Initiative von Cornelia Schwab nach Stuttgart zur Podiumsdiskussion im Haus der Geschichte Baden-Württemberg. Anlass ist die Theater-Recherche der Gruppe Citizen.KANE.Kollektiv zu Heiner Müllers Wolokolamsker Chaussee, die am selben Abend als Theaterperformance im Kammertheater zu sehen ist.

“Weisse Elefanten” – Theatrale Aufarbeitung der Vergangenheit
Cornelia Schwab selbst holt ihre eigene Lebensgeschichte ein: Während ihrer Studienzeit an der Theaterhochschule «Hans Otto» in Leipzig zum Ende der DDR wird sie mehrfach disziplinarisch gemaßregelt und verfolgt, mehrfach exmatrikuliert. Ihre Inszenierung der «Wolokolamsker Chaussee» von Heiner Müller Ende der 80er Jahre am Poetischen Theater Leipzig wurde kurz vor der Premiere durch die Abteilung Kultur des Bezirks Leipzig auf Empfehlung von IM-Stasi-Mitarbeitern verboten.


Ergebnis dieser künstlerischen und theaterwissenschaftlichen Forschung ist u. a. die Inszenierung «Weiße Elefanten», eine Ausstellung, öffentliche Talks und ein Seminar an der Universität Leipzig, Theaterwissenschaft

«Wolokolamsker Chaussee» 1988
Obwohl alle fünf Teile von Heiner Müllers «Wolokolamsker Chaussee» schon auf der Bühne gezeigt waren, wurde eine Produktion des dritten Teils am Amateurtheater der Karl-Marx-Universität Leipzig, den poetischen Theater Louis Fürnberg noch 1988 verboten. Eine Abnahmekommission hatte getagt und nach der Generalprobe ein Aufführen der Produktion nicht zugelassen. Das kann als das Ende einer Zersetzung der Regisseurin Cornelia Schwab gesehen werden die von höheren Stellen als unbequem und künstlerisch ungenügend eingeschätzt wurde. Ohne offenen Widerstand von ihrer Seite aus wurde sie zu einer unerwünschten Person gemacht, was ein Grund dafür gewesen sein könnte, warum die Produktion nie gezeigt wurde. Ob die Inszenierung inhaltlich selbst zu einem Verbot beigetragen hat oder ob es ausschließlich um die Regisseurin ging, lässt sich nicht eindeutig klären.

Dieses Geschehen recherchierte, dokumentierte und kommentierte das Theaterkollektiv «citizenKANE» aus Stuttgart.
